Vero – True Social: 3 Gründe, warum ich noch abwarte

Wie ein neuer Messias erschien sie am Social-Media-Himmel und verbreitete sich in den letzten Tagen wie ein Lauffeuer: Vero – True Social. Die neue, bessere, ehrlichere Social-Media-Plattform. Sie verspricht alles, was wir User uns doch so sehnlichst wünschen: keine aufgezwungene Werbung, eine chronologische Timeline, kein Algorithmus. Ein Grund zur Freude und die Hoffnung, das endlich alles besser wird. Und während ich schon im App-Store nach einer Installationsmöglichkeit suche, meldet sich plötzlich der alte, skeptische Spaßverderber in meinem Hinterkopf. Eine kleine Stimme, die ganz leise ruft: Nicht so schnell!

3 Gründe, warum ich Vero – True Social noch nicht nutze

Ich habe mich sehr über die Nachricht gefreut, dass es eine neue Social-Media-Plattform gibt, die die Fehler der anderen großen Drei (Facebook, Instagram, Twitter) nicht machen will. Trotzdem war ich über die regelrechte Registrierungseskalation überrascht. Obwohl die Plattform schon seit einigen Jahren angekündigt war, hatte ich bis zu diesem Boom noch nichts von Vero gehört. Für mich ein Grund, mich erst einmal zu informieren – vor allem weil sich die App zurzeit noch in der Beta befindet. Hier spricht also mein kleiner, paranoider Spaßverderber, den ich einfach mal zu Wort kommen lassen möchte. Er soll niemanden von seiner Entscheidungen abbringen, sich dort zu registrieren. Aber vielleicht habt ihr euch mit ähnlichen Fragen beschäftigt und könnt mich mit neuen Fakten versorgen. Oder ihr habt ähnliche Gründe und fühlt euch nun nicht mehr allein.

1. Für die erste Million User ist Vero kostenlos.

„Kaufen Sie jetzt! Nur heute im Angebot!“ Die Limited-Edition-Taktik ist ein alter Marketing-Hut, der doch immer wieder funktioniert. Aber wer in ernsthafte Konkurrenz mit Facebook, Instagram und Twitter treten möchte, der braucht natürlich eines: Nutzer. Doch wie bekommt man schnell neue User auf die Plattform, um sie konkurrenzfähig zu machen? Alles versprechen, was sich die Leute wünschen, und dann den kostenlosen Zugang begrenzen. ZACK! Aus Angst den neuen heißen Scheiß in der Social-Media-Welt zu verpassen oder gar später dafür zahlen zu müssen, strömen die Menschen auf Vero. Dabei reißen sie Freunde und Fans mit. Denn wer möchte schon alleine auf Twitter und Co. zurückbleiben. Auch mein Finger kreiste mehrfach über dem Installationsbutton. Es bleibt keine Zeit, auf die Erfahrungen von anderen zu warten, sich endgültige Datenschutzerklärungen durchzulesen oder auf das Ende der Beta-Phase zu warten. Dies hatte jedoch einen solchen Ansturm zurfolge, sodass Vero zurzeit ein komplett verbuggtes Minenfeld ist. Viele können sich nicht einloggen, nicht posten oder finden die anderen Nutzer nicht. Trotzdem haben sie bis dahin schon ihre persönlichen Daten ins System eingetragen – was mich zu Punkt 2 bringt.

2. Handynummer und Co.

Zu Beginn müsst ihr euch bei Vero – True Social registrieren. Mit Namen (empfohlen wird der echte Name), E-Mailadresse – und Handynummer. Ein süßes kleines Paket für alle Datensammler. Die Handynummer soll Fake-Accounts und Bots verhindern oder zumindest einschränken. Zudem soll man darüber von Freunden und Bekannten gefunden werden können. Gerade dieser Punkt erinnert mich nicht an ein neues Instagram, sondern eher an ein neues WhatsApp. Vero möchte Zugriff auf eure Handynummer und am liebsten auch auf euer Adressbuch, um euch beim Verbinden zu helfen. Doch was ist, wenn ich das gar nicht möchte? Warum sollte ich mich mit dem Handwerker oder einem Arbeitskontakt verbinden, der sich ebenfalls in meinem Adressbuch befindet und vielleicht auch privat seinen Weg zu Vero gefunden hat? Was ist, wenn ich gar nicht möchte, dass alle meinen Account kennen, nur weil ich deren Handynummer gespeichert habe? Vielleicht betreue ich über meine Handynummer auch einen Firmenaccount. Für mich persönlich ist diese Funktion nicht hilfreich, sondern so nervig wie bei WhatsApp. Und in einer Zeit, in der ich über meine Handynummer spenden oder Rechnungen bezahlen kann, reicht für mich das Argument einer bloßen Verifizierung nicht aus, um einer Beta-Version einfach so zu vertrauen.

3. Kein Data Mining, aber…

Name, E-Mail, Handynummer – alles schön und gut. Doch einige Textstellen in der Privacy policy lassen mich aufhorchen.

„We use or may use the data collected through cookies, log file, device identifiers, location data and clear gifs information to: (a) remember information so that you will not have to re-enter it during your visit or the next time you visit the site; (b) provide custom, personalized content and information, including advertising external to the Service; […]“ (Quelle: Privacy policy – Vero – True Social, Stand: 25.02.2018, rote Markierung wurde von mir hinzugefügt)

oder

„Although we do our best to honor the privacy preferences of our customers, we are not able to respond to Do-Not-Track signals from your browser at this time. As discussed above, we track website usage information through the use of cookies for analytic and internal purposes only. […]“ (Quelle: Privacy policy – Vero – True Social, Stand: 25.02.2018, rote Markierung wurde von mir hinzugefügt)

oder

„Depending on your type of device, it may not be possible to delete or disable tracking mechanisms on your mobile device.“ (Quelle: Privacy policy – Vero – True Social, Stand: 25.02.2018)

oder

„When you access our Service by or through a mobile device, we may receive or collect and store a unique identification number associated with your device (“Device ID”), mobile carrier, device type and manufacturer, phone number, and location data (e.g., city and state) of your mobile device.“ (Quelle: Privacy policy – Vero – True Social, Stand: 25.02.2018)

Natürlich machen das viele Apps und es gibt auf alle Fälle Anlass zur Hoffnung, dass die Daten nicht für Blödsinn verwendet werden. So gibt es ein Vero Manifesto, das sich scheinbar ganz dem Schutz der Daten verspricht. Trotzdem sammelt Vero – True Social erst einmal Informationen. Wenn ihr dann noch ordentlich eure Fotos einstellt, Bücher und Musik einsortiert und eure Adressbücher in enge Freunde und lockere Bekannte ordnet, hat Vero schon ein sehr gutes Profil von euch – und auch jeder Konzern, der Vero anschließend kauft.

Vero True Social

Fazit:

Ich liebe Social Media und nutze einige Plattformen. Alle von ihnen haben ihre Schwachstellen und sind kritikwürdig. Umso genauer schaue ich mittlerweile, ob ich jeden aufkeimenden Trend mitmachen möchte und welcher Anbieter eine Chance auf meine Daten verdient hat. Ich würde sehr gerne Vero – True Social die Möglichkeit geben, mich zu überzeugen. Gerade weil die Plattform viele tolle Funktionen verspricht. Doch ich möchte abwarten. Mich nervt es selbst, dass ich dem Gruppenzwang erliegen möchte, obwohl ich zurzeit nur von Bugs und Problemen höre. Ich finde es schade, dass bisher nicht versucht wurde, mit guten Argumenten die Handynummer-Verifizierung vielleicht doch noch abzuschaffen. Plattformen wie Patreon haben beispielsweise Neuerungen zurückgezogen, nachdem die Nutzer sie von den voraussichtlich aufkommenden Problemen überzeugen konnten. Ich möchte niemandem den Spaß an Vero verderben oder Hoffnungen zerstören. Ich möchte nur meinen inneren Skeptiker zu Wort kommen lassen.

Was meint ihr? Habt ihr auch Zweifel oder findet ihr die Bedenken überzogen? Meint ihr, dass es nach der Nutzung von WhatsApp und Co eh egal ist, wem ihr noch eure Daten anvertraut? Alles nicht so schlimm oder doch lieber noch abwarten?

9 Comments Vero – True Social: 3 Gründe, warum ich noch abwarte

  1. Benjamin Wagener

    Ich kann deine Bedenken absolut nachvollziehen. Ich bin allerdings ein Vollnerd, der gerne mal neue Dinge ausprobiert und ich hoffe halt irgendwie, dass Instragram da seine Lehren draus zieht, wenn jetzt etliche Leute Vero nutzen sollten, weshalb ich mich da mal angemeldet habe und einigen von meinen Instagram-Quellen folge. Die Bugs sind im Moment noch ziemlich nervig, z.B. braucht die App manchmal ewig zum starten bzw. mehrere Versuche und es dürfte mit der Zeit problematisch werden Leute zu finden, weil es keine eindeutigen Benutzer-IDs gibt. Aber vielleicht ist es nur der Schuss vor den Bug für Instagram. Mal schauen.

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    1. Maja

      Neugierig bin ich auch, keine Frage. Ich kann total verstehen, dass man so eine Möglichkeit gerne sofort ausprobieren möchte. Und ohne Menschen, die das auch getan haben, hätte ich keine Erfahrungswerte, auf denen meine Meinung aufbaut. Ich bin euch Pionieren also dankbar. 🙂
      Trotzdem ist das natürlich mal eine Ansage, den großen Social-Media-Plattformen Konkurrenz machen zu wollen. Gerade deren Entwicklung lässt mich besonders skeptisch bei Neulingen auf dem Social-Media-Markt werden, die in deren Fußstapfen treten möchten. Gerade wenn sie so plötzlich einen Registrierungsboom auslösen. Aber wenn es sich tatsächlich nur als „Schuss vor den Bug“ herausstellt, dann wäre schon viel gewonnen. Ansonsten können wir wohl wirklich nur abwarten, wie sich Vero entwickelt – und ob sie ihre Versprechen halten können. 🙂

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  2. Pingback: Vero True Social. 3 Gründe,warum Vero Instagram vom Thron stoßen kann

  3. Zaungästin

    Ich hab mich mal angemeldet. weil ich wissen wollte, was das eigentlich ist. Auf einmal war jeder zweite Post auf IG eine Mitteilung, dass der-und-der jetzt auf Vero ist.
    Und klingt ja auch toll, eine Seite auf der nicht nur die eh schon super bekannten Leute immer ganz oben im Feed angezeigt werden. Und die Dinge chronologisch angezeigt werden und mir niemand „vorfiltert“ was ich wie wann angezeigt bekomme.

    So richtig spricht mich das etwas düstere Design aber nicht an.
    Mal gucken.
    Ich bin ehrlich gesagt schon mit Tumblr, FB, IG und meinem uralten, von niemand mehr genutztem Blogspot (lol) überfordert. =D

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    1. Maja

      Kann ich absolut nachvollziehen. Aus ähnlichen Gründen reizt mich die neue App auch. Aber es ist bei ihr noch so vieles unklar oder funktioniert nicht. Ich glaube, es kann nicht schaden, noch ein wenig abzuwarten, bevor man die Plattform mit seinem Content befüllt… sofern man überhaupt reinkommt. 😀
      Und ja, man muss sich auch überlegen, wie viele Medien man nutzen kann/will. Alle regelmäßig zu nutzen wird langsam schwierig. xD

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  4. Anna

    Ich kann mir nur seeehr schwer vorstellen, dass diese App Insta und FB komplett ablösen wird. Und das ist für mich gleichzeitig der Knackpunkt. Ich verstehe zwar durchaus die Vorteile (keine Werbung, kein nerviger Algorithmus etc.), allerdings langweilt es mich jetzt schon, so viele Inhalte doppelt sehen (und liken?) zu müssen. Da hat Kathrin gestern ein Foto von ihrem Abendessen auf Insta gepostet und morgen früh wird es mir nochmal (mit kurzer Beschreibung des Abends) auf FB angezeigt. Wenn ich jetzt noch Vero checken muss, um mir das Bild auch dort anschauen zu müssen, dann sehe ich den Mehrwert darin nicht. Ich brauche nicht alles doppelt und dreifach, zumal – machen wir uns nichts vor – sehr viele Beiträge von Privataccounts absolut trivial sind. Die will ich oft nichtmal einmal sehen.

    Vielleicht ist es ja eine gute Plattform für Künstler, die sich mit Vero künftig den regelmäßigen Krieg rund um Algorithmen und Reichweiten ersparen können. Aber für „Normalos“ leuchtet mir das Konzept noch nicht wirklich ein. Außer, alle verlassen jetzt unwiderruflich Twitter und Instagram und Facebook und WhatsApp. Solange das aber nicht passiert, weiß ich nicht, was ich als Privatperson von dieser zusätzlichen App haben sollte.

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    1. Maja

      Momentan weiß ich auch nicht, ob Vero noch Potential hat, irgendwas abzulösen. Die News überschlagen sich an Meldungen, die von sehr positiv bis sehr negativ alles abdecken.
      Ich würde aber gerade Künstlern zurzeit empfehlen, noch nicht all zu viel auf Vero hochzuladen. Die Nutzungsbestimmungen werden noch zu grundlegend diskutiert. Aber natürlich kann jeder das für sich selbst entscheiden.
      Und zum doppelten Content: Vero soll ja vorhandene Plattformen nicht ergänzen, sondern komplett ersetzen. Damit würden sich Doppelungen natürlich reduzieren. Aber man muss ja auch nicht allen auf jeder Plattform folgen, sondern kann sich seinen Liebling raussuchen. Aber ich weiß, was du meinst. 🙂

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